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	<title>The Necessary Hate</title>
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	<description>When we don&#039;t know who to hate, we hate ourselves.</description>
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		<title>Kunkel #47: Musterknabe</title>
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		<pubDate>Thu, 23 May 2013 21:41:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunkel]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Was gefehlt hätte, hatte sie ihn gefragt. Er hatte ja antworten wollen, aber er konnte es auch jetzt noch nicht richtig beschreiben. Es hatte halt einfach was gefehlt, irgendwas Wichtiges, das er nicht benennen konnte. Man kann ja nicht jedem Gefühl einen Namen geben. Natürlich hatte er sie gemocht. Er war gerne mit ihr unterwegs gewesen, im Kino, im Theater, einfach irgendwo spazieren, bei Freunden oder in Bars. Er war auch gerne mit ihr daheim geblieben, zum Kochen und Filme ansehen und Bücher lesen oder sich gegenseitig Bücher vorlesen, Kreuzworträtsel machen, irgendwelchen Blödsinn reden, Wein trinken sinnlos auf dem Boden rumrutschen, für Kissenschlachten und zum Musik hören oder auch um seine Hand zwischen ihren Kopf und das obere Ende vom Bett zu halten, damit sie keine Gehirnerschütterung bekam, wofür sie sich stets artig bedankt hatte, so gut es ihr eben in diesen Momenten möglich gewesen war. Sie hatte nichts getan, um ihn zu vertreiben. Er hatte einfach nie richtig zu ihr gehört.</p>
<p>Seine Füße wurden langsam kalt, weil er im Schatten saß und es erst April war, also ging er in die sonnige Mitte des Hofes. Hinter ihm ihr Haus, vor ihm die Stadt, links und rechts andere Wohnblöcke und unter ihm Waschbetonplatten – wahrscheinlich der deutscheste aller Bodenbeläge: billig, robust, pflegeleicht, rutschfest und irgendwann war man wohl auch mal der Überzeugung gewesen, sie wären schön. Ganze Häuser hatte man damals mit diesen Scheißdingern verkleidet. Türme aus Hässlichkeit, die man bei Moosbefall einfach schnell abkärchern kann. Scheiß auf Außenfarbe, scheiß auf Strukturputz, scheiß auf Marmor und Ästhetik! Klatsch einfach Waschbeton drauf! Wir sind ja schließlich in Deutschland, wo nichts wichtiger ist, als Effektivität und Kosten-Nutzen-Maximierung. Wenn man Leute im Ausland fragt, wie die typische deutsche Frau aussieht, dann ist die nicht schlank, hübsch und intelligent. Sie ist groß und blond, mit großem Arsch und großen Titten, weil man mit so einer große Kinder machen kann. Man will schließlich das Maximum rausholen, aus seiner Alten.</p>
<p>Ob er das Maximum aus ihr rausgeholt hatte, das wusste er nicht genau. Eigentlich war es ihm auch egal. Sie war ja kein Zuchtvieh und er offenbar nicht deutsch genug, um sie wie solches behandeln zu wollen. Deshalb war er ja auch gegangen, ohne die Absicht wiederzukommen. Weil sie einfach nicht zusammenpassten, wie die beiden Waschbetonplatten auf denen er jetzt stand. Die eine rechteckig, die andere quadratisch. Er hatte es nicht mal aus ihrem Hof heraus geschafft. Das fiel ihm reichlich spät auf, aber nicht zu spät, um wegzugehen. Er setzte also seinen Fuß auf das nächste Quadrat, noch eines, ein Rechteck und dann eine Fuge. Dann blieb er stehen, drehte sich im Kreis und dachte angestrengt nach, ob wirklich sein könnte, was er da zu sehen glaubte. Er stieg sogar die fünf Stufen vor ihrer Eingangstür hinauf, nur um sicher sein zu können. Er hatte Recht. Vor ihm lag ein Hof voller moosig grün schimmernder Waschbetonplatten, deren Verlegung keinem Muster folgte, keine Regelmäßigkeit widerspiegelte, keine Logik. Manche hätten das wohl schlampig gefunden, Andere angenehm nonkonformistisch, aber den Allermeisten wäre es mit Sicherheit einfach nicht aufgefallen. In seinem Kopf spielten sich Szenen der Verlegung ab. Eine Säge, Richtschnüre, Latten, der Boden, darauf Kies, darauf Splitt und obenauf ein Arbeiter mit Knieschonern und Gummihammer, aber ohne jeglichen Ordnungssinn. Technisch machte das natürlich keinen Unterschied. Ein Muster macht Waschbetonplatten schließlich weder robuster, noch pflegeleichter oder rutschfester und ganz bestimmt auch nicht schöner. Aber wie passte das denn bitteschön zusammen? Der spießigste und langweiligste aller Bodenbeläge, sauber rechtwinklig verlegt, aber einfach ohne Muster. Was war hier passiert, das eine derartige Ungenauigkeit mitten in Deutschland entstehen lassen hatte? Wieso interessierte es ihn überhaupt, ob diese sauhässlichen Platten, in diesem sauhässlichen Hof, den er wahrscheinlich sowieso nie wieder betreten würde, die ästhetischen Anforderungen irgendwelcher Korinthenkacker erfüllten? Wieso war ihm das überhaupt aufgefallen, wenn er selbst keiner dieser Korinthenkacker war? Eigentlich musste er sich diese Fragen nicht stellen. Er hatte eben diese etwas abstrusen Aufmerksamkeitspräferenzen, die ihm Derlei ins Auge stechen ließen. Das war ihm bekannt und somit war die Sache eigentlich abgehakt und er machte sich wieder auf den Weg zur Straße, als er noch einmal an sie denken musste.</p>
<p>Da war ihre Antwort doch. Sie war die ganze Zeit direkt vor ihrer eigenen Haustür gelegen. Sie musste hunderte Male durch den Hof gegangen sein, aber das fehlende Muster war ihr nie aufgefallen. Er dagegen war einmal nicht durch sie abgelenkt gewesen, nur ein einziges Mal und schon hatte es sich ihm geradezu aufgedrängt. Hätte er ihr jetzt davon erzählt, dann hätte sie das sicher interessant gefunden – nicht, dass die Platten ohne Muster lagen, sondern dass es ihm auffiel. Sie hatte überhaupt vieles interessant gefunden, was er getan oder gesagt hatte und ihm das auch gesagt und ihn dann fragend und vielleicht auch ein Bisschen bewundernd von schräg unten angesehen. Das hatte sich irgendwie gut angefühlt, aber es konnte nicht über das eigentliche Problem hinwegtäuschen: Sie sah es einfach nicht. Sie dachte nicht wie er und sie hatte nicht seinen Blick auf die Welt. Und weil sie die Welt nicht sah wie er, konnte sie ihn auch nie richtig verstehen. Er war es einfach leid, ihr dauernd seine Gedanken vorkauen zu müssen; war es leid, offensichtlich in einer anderen Realität zu leben als sie. Er wollte kein interessantes Anschauungsobjekt sein, an dem sie ihre Neugier dem Außergewöhnlichen gegenüber befriedigte. Er wollte einfach von ihr verstanden werden, aber das war eben nicht möglich.</p>
<p>Eine Ratte kroch unter dem Haus hervor und lief über den Hof, immer an den Fugen entlang. Der kürzeste Weg war das sicher nicht, aber woher sollte die Ratte das auch wissen? Er dachte an Filme, die er gesehen hatte, die zeigen sollten, wie intelligent die Viecher doch wären. Man ließ im Labor eine Ratte durch ein Labyrinth aus Sperrholzwänden laufen, die immer wieder umgesetzt wurden. Die Ratte fand immer ihren Weg, egal wie verschachtelt die Gänge waren, aber auf die Idee, einfach über die zehn Zentimeter hohen Wände zu klettern, kam sie nie. So sah sie dann eben immer nur einen Ausschnitt und nie das Gesamtbild. Wäre sie über die Wand gestiegen, sie hätte vielleicht fliehen können, aber sie wählte den sicheren Weg, zur Belohnung am Ende. Am Ende seines Weges wartete kein Futter, sondern eine Bushaltestelle. Er sah sich noch einmal nach der Ratte um, aber die war nicht mehr zu sehen. Sie hatte ihr Ziel offensichtlich schon erreicht, während er immer noch im Hof stand. Vorne auf der Straße sah er den Bus vorbeifahren, der nächste ging erst in einer halben Stunde. „Scheiß Waschbetonplatten“, dachte er, „scheiß hässliche Waschbetonplatten.“</p>
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		<title>Kunkel #46: Quellenkritik</title>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 14:30:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunkel]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Irgendwie zufällig stoße ich darauf. Kein Mensch isst im Laufe seines Lebens acht Spinnen im Schlaf. Jeder hat das schon mal gehört, aber in Wirklichkeit hat eine Journalistin die Geschichte in die Welt gesetzt, um zu überprüfen, wie schnell und &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie zufällig stoße ich darauf. Kein Mensch isst im Laufe seines Lebens acht Spinnen im Schlaf. Jeder hat das schon mal gehört, aber in Wirklichkeit hat eine Journalistin die Geschichte in die Welt gesetzt, um zu überprüfen, wie schnell und effektiv sich derartiger Müll übers Internet verbreitet. Es stört mich natürlich nicht, dass ich keine Spinnen im Schlaf esse, aber irgendwie klingt mir das noch zu vage. Ich bin schließlich Wissenschaftler und will auch Belege für das, was mir da vorgesetzt wird. Der Name der Redakteurin führt mich in die Leere. Der Artikel, den sie angeblich darüber veröffentlich hat, ist nicht aufzutreiben. Irgendwas stimmt hier nicht. Da gibt es nun also ein unbelegtes Gerücht, das alle glauben und ein anderes unbelegtes Gerücht, das das Erste widerlegen soll. Was davon stimmt, weiß kein Mensch, aber Behauptungen aufstellen kann offenbar jeder.</p>
<p>Ich sehe mich um. Ich befinde mich in einer Bibliothek voller wichtiger Bücher und sich wichtig wähnender Studenten und ich frage mich: Was wenn das alles eine Studie war? Es läge doch nahe, dass ein Soziologe oder Ethnologe oder Medienheini sich die Frage gestellt hat, die man dann später einer Journalistin zuschrieb und selbst das Gerücht streute. Aber was sagt mir das dann bitte über den akademischen Forschungsbetrieb? Die eigentliche Aussage dahinter wäre doch, dass das gemeine Volk, der Pöbel, der Nichtakademiker an sich als nichts weiter betrachtet wird, als ein Versuchskaninchen. Man streut ein Gerücht, und wartet ab was passiert. Wer nicht wissenschaftlich korrekt arbeitet und nach Quellen sucht, sondern einfach akzeptiert was er hört, fällt darauf rein und glaubt fortan daran, dass er im Schlaf Spinnen verschluckt. Er ekelt sich möglicherweise vor sich selbst, könnte gar paranoid werden, das Schlafen einstellen, daran sterben. Ethik und Moral spielen keine Rolle. Wissenschaft ist wichtiger. Die Unmündigkeit des Menschen wird zum höchsten Gut. Aber was ist mit denen, die tatsächlich nachprüfen? Wäre es für einen renommierten Wissenschaftler nicht ein Leichtes, eine solche Statistik einfach zu fälschen? Ein kurzes Paper veröffentlichen, ein paar Forschungsergebnisse erfinden, sich mit anderen Fachleuten absprechen und schon glaubt auch der letzte Lehrstuhlinhaber, dass es sich wirklich um Fakten handelt. Schon existiert eine Journalistin, die das alles erfunden hat. Und wenn so etwas möglich ist, kann man dann überhaupt irgendwelchen Forschungsergebnissen trauen? Kann man dann überhaupt noch irgendetwas glauben?</p>
<p>Ich betrachte das Paper, das ich gerade lese. Irgendwas mit Charisma und positiver Stimmung bei Führungskräften, basierend auf mehreren Umfragen. Wer sagt mir, dass diese Umfragen nicht manipuliert sind? Wie kann ich sicher sein, dass sie nicht einfach komplett gefälscht wurden? Was, wenn sie tatsächlich durchgeführt wurden, aber die Teilnehmer (alles Studenten) von einem anderen Professor angeleitet wurden, ein bestimmtes Ergebnis herbeizuführen, um dessen eigene Forschung zu stützen? Bekriegen sich die Akademiker am Ende sogar untereinander? Wem kann ich noch vertrauen? Was ist Wissenschaft unter diesen Umständen anderes, als der grausame Zeitvertreib einiger skrupelloser Größenwahnsinniger, die seit Generationen die Allgemeinheit an der Nase herumführen? Geht es dabei nicht einfach nur um Macht? Ist es nicht vollkommen krank, so mit Menschen umzugehen? Gibt es krank überhaupt, oder ist das nur ein Konzept, das irgendwem mal so gut in den Kram gepasst hat, dass er es auf althergebrachtem Weg verbreitet hat?</p>
<p>Mein Magen rumort. In mir steigt ein unglaublicher Hass auf diese Schweine auf und ich weiß, dass ich nicht mehr Teil dieses pervertierten, unmenschlichen Systems sein will. Jeder in dieser Bibliothek gehört dazu, die Meisten wohl nur aus Unwissenheit, aber einige haben die Methode sicher längst durchschaut. Ich springe wutentbrannt auf, zerreiße die dreißig Seiten Unwahrheit, die vor mir liegen und werfe die Fetzen auf die blinden Schafe, die eifrig ihren Beitrag zur Entmündigung der Menschheit leisten. „Hört auf!“ schreie ich. „Hört doch endlich auf mit dieser abartigen Scheiße! Das sind alles Lügen, versteht ihr? Lügen!“. Ich nehme meinen Laptop, hole aus und werfe ihn durch die Fensterscheibe, um mir einen Ausweg zu schaffen. Bevor ich verschwinde, will ich noch eines der Bücherregale umwerfen. Es wackelt kaum, weil es mit dem Boden verschraubt ist. Propaganda in Beton verankert – die Symbolik jagt einen kalten Schauer über meinen Rücken. Ich steige durch das kaputte Fenster und klettere im strömenden Regen die Feuerleiter hinab, renne völlig desillusioniert, schreiend und weinend zum Bus, um so schnell wie möglich diesen scheußlichen Ort hinter mir zu lassen. Hoffentlich hat sich niemand mein Gesicht gemerkt, sonst sind sie bestimmt schon hinter mir her. Ich muss jetzt erst mal von der Bildfläche verschwinden, möglichst unauffällig. Ich werde mir noch heute ein Flugticket nach Südamerika kaufen und dort untertauchen. Hoffentlich schaffe ich das, bevor sie mich unter irgendeinem Vorwand zum international gesuchten Verbrecher erklären. Wenn sie mich kriegen, dann blüht mir sonstwas; Gehirnwäsche, Folter, wahrscheinlich der Tod. Ich würde mich exmatrikulieren, aus Prinzip, aber dann haben sie sofort meinen Namen. Ich mache also lieber mal gar nichts in die Richtung und warte einfach ab. Wie lange die wohl brauchen, um so was zu kapieren? Sollte man mal eine Studie drüber machen.</p>
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		<title>The Problem of the People // Das Problem mit den guten Menschen</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 13:38:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[<p></p>
<p>This might quite possibly be the best speech ever given. There&#8217;s hardly a person that could object to anything stated in these four minutes of rhethoric glory. But why then has nothing changed since 1940 when it was first delivered? &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/QcvjoWOwnn4?rel=0" frameborder="0" width="690" height="518"></iframe></p>
<p>This might quite possibly be the best speech ever given. There&#8217;s hardly a person that could object to anything stated in these four minutes of rhethoric glory. But why then has nothing changed since 1940 when it was first delivered? Why have we the people not used our power to make this life free and beautiful, to make it a wonderful adventure?</p>
<p>The problem, I think, that will take a fight much longer and harder than what has been fought in the last 60 years, is egoism. Not the easy kind, the kind that would rather spend the change in your pocket on candy than give it to the bum outside the supermarket. It is easy to fight that kind.</p>
<p>But there is an egoism so deep within our society and so subtly evil and self-righteous that words can hardly scrape its surface. It is what makes people think they have truly earned their wealth. It makes them forget the centuries of colonialism, war, slavery and oppression that our &#8220;free markets&#8221; are built upon. Some call it &#8220;liberalism&#8221; even though liberty has very little to do with the merciless shackles our luxurious lives put on other parts of the world. It makes us think that having travelled the third world for a bit, giving some money to Greenpeace and being appalled by global injustice is enough to consider ourselves good persons. Enough for a clean conscience, enough for us to say &#8220;I&#8217;m not evil, not bad, I am a good human being.&#8221;</p>
<p>And exactly that is where the fight for a better tomorrow stops. It is where complacency begins.It is where money is spent on beer in expensive bars because we&#8217;ve worked hard and earned it. It is where weekend-trips to Paris are booked. It is where nothing is ever done to really &#8211; really! &#8211; change things. It is where life remains free and beautiful and wonderful for but a few lucky souls on top of the food chain.</p>
<p>Today is the 8th of May 2013. 68 years ago World War II ended and with it a story of horror and murder and greed. But on the same day in the same year of 1945, 10,000 peaceful Algerian protesters were slaughtered by French colonialists in the massacre of Sétif. And still, in the year of 2012, millions and millions of people died violent and unnecessary deaths. In present times, 25,000 &#8211; twentyfivethousand &#8211; people die of hunger every day. Even though we produce enough food to feed twice the world&#8217;s population. Horror and murder and greed never left this world, they just moved to other parts and made it easy for us to forget about them. Let&#8217;s try to forget a little less in the future.</p>
<p>//</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/pDXLEH0-6Sg?rel=0" frameborder="0" width="690" height="388"></iframe></p>
<p>Dies ist die wahrscheinlich beste Rede aller Zeiten. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der an diesen vier Minuten rhetorischer Glückseligkeit etwas auszusetzen hätte. Warum also hat sich trotzdem nichts verändert seitdem Charlie Chaplin 1940 so großartige Worte gesprochen hat? Warum haben wir, das Volk, nicht unsere Macht benutzt um dieses Leben einmalig und kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen?</p>
<p>Ich sehe das Problem, das einen noch viel längeren und härteren Kampf erfordern wird als in den letzten 60 Jahren, im Egoismus. Nicht die einfache Art, die Art von Egoismus die einen das Wechselgeld in der Hosentasche lieber für Süßigkeiten ausgeben lässt als es dem Bettler vor der Supermarkt zu geben. Nein, diese Art ist einfach zu bekämpfen.</p>
<p>Aber es gibt einen Egoismus, der so tief wurzelt in unserer Gesellschaft, der so unterschwellig böse und so selbstgerecht ist, dass Worte ihm kaum die Oberfläche zu zerkratzen vermögen. Es ist die Art von Egoismus, die Menschen glauben lässt sie hätten sich ihren Reichtum wahrhaftig verdient. Die sie die Jahrhunderte von Kolonialismus, Krieg, Sklaverei und Unterdrückung vergessen lässt, auf denen unsere &#8220;freien Märkte&#8221; aufgebaut sind. Manche nennen das &#8220;Liberalismus&#8221;, obwohl libertas, die Freiheit, sehr wenig mit den grausamen Fesseln zu tun hat, die unsere luxuriösen Leben anderen Teilen der Erde anlegen. Sie lässt uns denken, dass ein bisschen Weltreise, Spenden an Greenpeace und Bestürzung über weltweite Ungerechtigkeit genug sind, um uns selbst für einen guten Menschen zu halten. Genug für ein reines Gewissen, genug um zu sagen &#8220;Ich bin keiner von den Bösen, ich bin ein guter Mensch.&#8221;</p>
<p>Und genau dort, mit diesem Satz, endet der Kampf für ein besseres Morgen. Dort beginnt die Wohlgefälligkeit. Mit diesem Satz zahlt man Geld für Bier in schicken Bars weil man hart gearbeitet und es sich verdient hat. Mit diesem Satz werden Wochenend-Trips nach Paris gebucht. Genau mit diesem Satz wird nie wirklich etwas dafür getan, dass sich die Dinge ändern. Genau mit diesem Satz bleibt das Leben einmalig und kostbar und frei lediglich für eine Handvoll Glücklicher an der Spitze der Nahrungskette.</p>
<p>Heute ist der 8te Mai 2013. Vor 68 Jahren endete der Zweite Weltkrieg und mit ihm eine Geschichte von Schrecken, Mord und Gier. Doch am gleichen Tag im gleichen Jahre 1945 wurden in Algerien 10,000 friedliche Protestierende von der französischen Kolonialmacht niedergemetzelt im Massaker von Sétif. Und immer noch, im Jahr 2012, sind Millionen von Menschen gewaltsame und unnötige Tode gestorben. In unserer heutigen Zeit verhungern jeden Tag 25,000 &#8211; fünfundzwanzigtausend &#8211; Menschen. Obwohl wir genug Lebensmittel produzieren um das Zweifache der Weltbevölkerung zu ernähren. Schrecken und Mord und Gier haben diese Welt nie verlassen. Sie sind nur an andere Orte gezogen und haben es uns leicht gemacht, sie zu vergessen. Lasst uns in Zukunft ein bisschen weniger vergessen.</p>
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		<title>Eine ehrliche Frage / An honest question</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Apr 2013 09:02:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Argumentationshilfe]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://teltuona.tumblr.com/image/31469786536"><img class="aligncenter size-full wp-image-797" title="tumblr_maavn97SzQ1rgpl1wo1_1280" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/tumblr_maavn97SzQ1rgpl1wo1_1280.jpg" alt="" width="690" height="327" /></a></p>
<p>Es gibt da eine Sache, die kann ich nicht verstehen. Die will mir nicht in den Kopf.</p>
<p>Warum ist das in einer heutigen Gesprächsrunde noch eine akzeptable Aussage, dass einen Politik und Zeitgeschehen leider überhaupt nicht interessieren?</p>
<p>Machen wir uns &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://teltuona.tumblr.com/image/31469786536"><img class="aligncenter size-full wp-image-797" title="tumblr_maavn97SzQ1rgpl1wo1_1280" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/tumblr_maavn97SzQ1rgpl1wo1_1280.jpg" alt="" width="690" height="327" /></a></p>
<p>Es gibt da eine Sache, die kann ich nicht verstehen. Die will mir nicht in den Kopf.</p>
<p>Warum ist das in einer heutigen Gesprächsrunde noch eine akzeptable Aussage, dass einen Politik und Zeitgeschehen leider überhaupt nicht interessieren?</p>
<p>Machen wir uns nichts vor, das ist nicht nur akzeptabel, das gehört fast schon zum guten Ton. Aber sollte in einer Demokratie so jemand nicht eigentlich mit einer ordentlichen Schelle bedacht und der Runde verwiesen werden? Ich meine, immerhin regiert hier ja das Volk. Wir sind der Souverän, wir lenken das Schiff. Und wenn mein Matrosenkollege mir erzählt, dass ihm das Schiff, auf dem wir beide durch den Ozean schippern, leider scheissegal ist, dann greife ich mir doch den nächstbesten Pökelfisch aus der Salztonne und poliere dem Trottel damit seine Blödheit aus der Fresse. Ist das denn so unverständlich?! Nehmen wir an, unser Schiff kommt in einen Sturm und nur eine gemeinsame Anstrengung kann uns noch vor dem Kentern retten. Dann entscheidet der Depp mit darüber, ob wir alle zusammen absaufen oder nicht. Vor dieser Verantwortung kann sich keiner drücken. Und wer sich drückt, der kriegt Schläge. Wenn der sich nach der Fisch-Kloppe noch beschwert, dann kassiert er gleich nochmal ein paar und soll froh sein, wenn er nicht über Bord gegangen wird. So seh&#8217; ich das zumindest. Und ich kann beim besten Willen kein triftiges Gegenargument finden.</p>
<p>Ach und nur für den Fall dass hier jemand ein schlauer kleiner Butterkeks ist und mir mit Meinungsfreiheit kommt und frei nach Watzlawick behauptet, dass auch keine Meinung eine Meinung ist &#8211; tja, dann soll sie/er sich bitte ins Knie ficken. Keine Meinung ist Feigheit und Feigheit ist keine Meinung.</p>
<p>//</p>
<p><em>There&#8217;s this one thing that I just cannot wrap my head around. I just don&#8217;t get it.</em></p>
<p><em>Why is it still an acceptable statement in today&#8217;s society that one just doesn&#8217;t care about politics and current affairs?</em></p>
<p><em>Let&#8217;s not fool ourselves. Statements of this kind are not only acceptable, they are pretty popular these days. But, in today&#8217;s democracy, shouldn&#8217;t somebody like that receive a generous slap around the face and have their ignorant ass kicked out of the door? After all, this is the reign of the people. We are the sovereign, we navigate the ship. And if a fellow sailor tells me they couldn&#8217;t give less of a fuck about this ship carrying both of us over the ocean, well then I reach for the next best pickled herring and beat the ignorance right out of their face. Is that really so hard to comprehend? Let&#8217;s say our ship sails into a storm and only a joint effort can keep us from capsizing. Then this fool is part of the decision whether we all drown or survive. That is a responsibility nobody can run away from. And those that try to run get their asses kicked. If that idiot complains about the fish-treatment he&#8217;s in for another facial rearrangement right away and should consider himself lucky he&#8217;s not swimming with the fishes yet. That&#8217;s the way I see it. And so far I haven&#8217;t come across one single valid counter-argument.</em></p>
<p><em>Oh and just in case somebody is being a clever little biscuit and brings up freedom of opinion and goes all Watzlawick on my ass saying that no opinion is also an opinion &#8211; well then fuck you. No opinion is cowardice and cowardice is not an opinion.</em></p>
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		<title>The Fair Life</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 09:36:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://floriannetzer.tumblr.com/workspaces"><img class=" wp-image-783 aligncenter" title="Florian Netzer: Workspaces" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/tumblr_mc055qjr4l1r4l9lr.jpg" alt="Florian Netzer: Workspaces" width="690" height="460" /></a></p>
<p>Foto: Florian Netzer, from the series &#8220;<a title="Florian Netzer - Workspaces" href="http://floriannetzer.tumblr.com/workspaces"><em>Workspaces</em></a>&#8221;</p>
<p>//</p>
<p>I recently heard somebody say that &#8220;life isn&#8217;t fair&#8221;. For some reason, and I couldn&#8217;t quite point my finger on it, it made me almost angry. After turning it over &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://floriannetzer.tumblr.com/workspaces"><img class=" wp-image-783 aligncenter" title="Florian Netzer: Workspaces" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/tumblr_mc055qjr4l1r4l9lr.jpg" alt="Florian Netzer: Workspaces" width="690" height="460" /></a></p>
<p>Foto: Florian Netzer, from the series &#8220;<a title="Florian Netzer - Workspaces" href="http://floriannetzer.tumblr.com/workspaces"><em>Workspaces</em></a>&#8221;</p>
<p>//</p>
<p>I recently heard somebody say that &#8220;life isn&#8217;t fair&#8221;. For some reason, and I couldn&#8217;t quite point my finger on it, it made me almost angry. After turning it over in my head for a while I think I know what my problem is.</p>
<p>True, life isn&#8217;t fair. But neither is it unfair. It is coincidence, it is consequence, it is emotions, it is logic, it is human, it is inhuman, it is the most wonderful and the most horrible thing. But trying to measure it by &#8220;fairness&#8221; is like trying to measure a ball with a straight ruler. It does not fit the concept.</p>
<p>Besides, who judges what is fair? Fairness is an entirely human invention. Animals don&#8217;t know fairness, nature doesn&#8217;t. In Football it can be fair to tackle another human being, outside of football that would be considered physical violence. Fairness changes according to context. And life does not have contexts, it IS the context.</p>
<p>Trying to see fairness in life is just a comfortable way of not seeing the real point. If a young person dies in a car-accident I might call that unfair. Because then I don&#8217;t have to talk about whether our current model of roads and vehicles is the actual reason for this unnecessary death and whether it could actually be a lot safer and should therefore be reformed. When some executive manager guy, who has fired thousands of people, dies from a heart attack I might call that fair. But then I am being inhuman, forgetting that death must  never be a punishment and that one personal tragedy does not ease another one. What use is it for the families of past and future road traffic victims if I show life the red card for unfair behaviour? What use is the manager&#8217;s death and the grief of his family for the unemployed workers?</p>
<p>Life is life. Fairness is human and can therefore only be applied to humans and their behaviour. And that is actually something that we do far too little.</p>
<p>And yes, I know that I am putting way too much meaning into an expression that people will carelessly use to voice their distress and frustration. I know I am an annoying little lingo-nerd. But I figured somebody had to fight for the lost cause of precise language.</p>
<p>//</p>
<p><em>Letztens hörte ich jemanden sagen, dass das Leben nicht fair ist. Aus irgendeinem Grund, den ich nicht genau benennen konnte, machte mich das beinahe wütend. Nach einiger Überlegung habe ich, denke ich, herausgefunden, was mein Problem ist.</em></p>
<p><em>Stimmt, das Leben ist nicht fair. Aber genau so wenig ist es unfair. Es ist Zufall, es ist Konsequenz, es ist Emotionen, es ist Logik, es ist menschlich, es ist unmenschlich, es ist das Wundervollste und das Schrecklichste. Aber es am Maßstab der &#8220;Fairness&#8221; zu bewerten ist wie einen Ball mit einem Lineal zu vermessen. Es passt einfach nicht zum Konzept.</em></p>
<p><em>Außerdem: Wer beurteilt bitteschön, was am Leben fair ist? Fairness ist eine komplett menschliche Erfindung. Tiere kennen keine Fairness, die Natur kennt keine Fairness. Im Fußball kann es fair sein, einen anderen Menschen um zu grätschen. Im echten Leben fiele das unter körperliche Gewalt. Fairness hängt ab vom Zusammenhang. Und das Leben hat keinen Zusammenhang, es IST der Zusammenhang.</em></p>
<p><em>Fairness im Leben sehen zu wollen ist nur ein bequemer Weg, die Augen vor der eigentlichen Tatsache zu verschließen. Wenn ein junger Mensch in einem Autounfall stirbt, dann könnte ich das unfair nennen. Denn damit erspare ich mir die Unterhaltung darüber, ob nicht unser aktuelles Modell von Straßen und Fahrzeugen der eigentliche Grund für diesen unnötigen Tod ist und ob es nicht eigentlich viel sicherer sein könnte und deswegen verändert werden sollte. Wenn irgendein Manager, der tausenden Leuten gekündigt hat, an einem Herzinfarkt stirbt, dann könnte ich das fair nennen. Aber dann bin ich unmenschlich, vergesse, dass Tod niemals eine Strafe sein darf, und dass eine persönliche Tragödie nicht eine andere erleichtert. Was nützt es den Familien vergangener und zukünftiger Unfallopfer, wenn ich dem Leben die rote Karte für unfaires Verhalten zeige? Was nützt der Tod des Managers und die Trauer seiner Familie den gekündigten Arbeitern?</em></p>
<p><em>Das Leben ist das Leben. Fairness ist menschlich und man kann nur den Menschen und sein Verhalten damit beurteilen. Und das wird tatsächlich viel zu selten gemacht. </em></p>
<p><em>Und ja, ich weiß, dass ich hier einem Ausdruck zu viel Bedeutung beimesse, den Leute gedankenlos benutzen, um ihrem Leid und Frust Luft zu machen. Ich weiß, dass ich ein nerviger kleiner Sprach-Nerd bin. Aber ich dachte mir, dass irgendwann mal jemand anfangen muss, wieder für einen präzisen Sprachgebrauch zu kämpfen. </em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Reasons to Hate: 15 April 2013</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 09:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reasons to Hate]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/15april2013_thenecessaryhate_02.jpg"><img class="aligncenter  wp-image-777" title="boston bombing reality check" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/15april2013_thenecessaryhate_02.jpg" alt="boston bombing reality check" width="690" /></a></p>
<p><strong>We felt the need to put the Boston Bombing and the media uproar surrounding it into perspective.</strong></p>
<p>&#8220;25,000 people died of hunger&#8221; &#8211; Official estimate by the United Nations: <a title="UN 25000 people die every day" href="http://www.un.org/wcm/content/site/chronicle/home/archive/issues2008/pid/21601" target="_blank">http://www.un.org/wcm/content/site/chronicle/home/archive/issues2008/pid/21601</a></p>
<p>&#8220;4114 children died of a water related disease&#8221; &#8211; UNICEF &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/15april2013_thenecessaryhate_02.jpg"><img class="aligncenter  wp-image-777" title="boston bombing reality check" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/15april2013_thenecessaryhate_02.jpg" alt="boston bombing reality check" width="690" /></a></p>
<p><strong>We felt the need to put the Boston Bombing and the media uproar surrounding it into perspective.</strong></p>
<p>&#8220;25,000 people died of hunger&#8221; &#8211; Official estimate by the United Nations: <a title="UN 25000 people die every day" href="http://www.un.org/wcm/content/site/chronicle/home/archive/issues2008/pid/21601" target="_blank">http://www.un.org/wcm/content/site/chronicle/home/archive/issues2008/pid/21601</a></p>
<p>&#8220;4114 children died of a water related disease&#8221; &#8211; UNICEF and the WHO estimate that every 21 seconds a child dies from a water related disease: <a title=" every 21 seconds a child dies from a water related disease" href="http://whqlibdoc.who.int/publications/2009/9789241598415_eng.pdf" target="_blank">http://whqlibdoc.who.int/publications/2009/9789241598415_eng.pdf</a></p>
<p>&#8220;80 people were killed in the civil war in Syria&#8221; &#8211; Most of them civilians and anti-Assad fighters killed in air-raids: <a href="http://supportkurds.org/news/monday-15-april-2013/" target="_blank">http://supportkurds.org/news/monday-15-april-2013/</a></p>
<p>&#8220;75 people were killed in Iraq&#8221; &#8211; Most of them my car bombings in and around Baghdad: <a href="http://original.antiwar.com/updates/2013/04/15/iraqs-bloody-monday-75-killed-356-wounded/" target="_blank">http://original.antiwar.com/updates/2013/04/15/iraqs-bloody-monday-75-killed-356-wounded/</a></p>
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		<title>Der gute Mensch</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 10:47:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://teltuona.tumblr.com/image/36546083247"><img class="aligncenter  wp-image-766" title="Playing Games with the Guns of War. Vienna, 2012. p: Simon Reichel" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/tumblr_me2fmlwzpB1rgpl1wo1_1280.jpg" alt="Playing Games with the Guns of War. Vienna, 2012. p: Simon Reichel" width="690" /></a></p>
<p>Ich würde so gerne daran glauben, dass es ihn gibt. Dass das Böse nicht in unserer Natur liegt und folglich irgendwie, irgendwann, doch noch alles besser werden kann.</p>
<p>Aber dann werfe ich einen Blick auf die Geschichte und kann es &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://teltuona.tumblr.com/image/36546083247"><img class="aligncenter  wp-image-766" title="Playing Games with the Guns of War. Vienna, 2012. p: Simon Reichel" src="http://youshallnot.com/nh/wp-content/uploads/2013/04/tumblr_me2fmlwzpB1rgpl1wo1_1280.jpg" alt="Playing Games with the Guns of War. Vienna, 2012. p: Simon Reichel" width="690" /></a></p>
<p>Ich würde so gerne daran glauben, dass es ihn gibt. Dass das Böse nicht in unserer Natur liegt und folglich irgendwie, irgendwann, doch noch alles besser werden kann.</p>
<p>Aber dann werfe ich einen Blick auf die Geschichte und kann es nicht fassen. Zu was Menschen im Namen von Gottheiten, Ideologien und Macht fähig sind. Wie kann es auch nur einen Funken Gutes geben in einem Menschen, der eine junge Mutter mit ihrem Kind in eine Gaskammer prügelt? In einem Menschen, der einen anderen Menschen zum Sklaven macht und ihn zu Tode foltert? In einem Menschen, der ein Paradies in einen toten Sumpf aus Gift und Verderben verwandelt?</p>
<p>Ich würde so gerne daran glauben, dass wir aus Fehlern lernen. Dass wir uns verbessern wollen und, auch wenn wir dort niemals ankommen können, von Idealen träumen.</p>
<p>Aber dann sehe ich mich um in meiner Zeit und kann es nicht fassen. Wie wir meinen können, ein gutes Leben zu führen, wenn wir genau mit diesem Leben in anderen Teilen der Welt Armut und Hunger verursachen. Wenn unsere Natur langsam verendet. Wenn nicht weit von uns weiter Menschen ermordet, versklavt, gefoltert und zerstört werden obwohl wir es verhindern könnten.</p>
<p>Ich würde so gerne daran glauben, dass die guten Beispiele der Beweis sind. Dass es das Gute im Menschen geben muss, wegen Gandhi, wegen Mandela, wegen Entwicklungshelfern, wegen Umweltschutz, wegen der Kunst, wegen einem Jungen, der im Zug einer alten Frau seinen Sitzplatz anbietet.</p>
<p>Aber dann bin ich objektiv und male mir eine Statistik vor dem inneren Auge und muss einsehen, dass Ausnahmen lediglich die Regel bestätigen.</p>
<p>Was bleibt, ist der Kampf. Manchmal für das Gute, manchmal gegen den Menschen, meist gegen sich selbst.</p>
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		<title>Nichtfahrgelegenheit</title>
		<link>http://youshallnot.com/nh/nichtfahrgelegenheit/</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Apr 2013 09:50:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reasons to Hate]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die Idee ist so dermaßen beschissen, dass sie schon fast wieder lustig ist.</p>
<p>&#8220;Hey Klaus-Dieter, ich finde, wir verdienen hier nicht genug Geld.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja Horst-Peter, find&#8217; ich auch. Wir sollten das ändern.&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber wie?&#8221;</p>
<p>&#8220;Hmm, lass uns doch einfach für &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Idee ist so dermaßen beschissen, dass sie schon fast wieder lustig ist.</p>
<p>&#8220;Hey Klaus-Dieter, ich finde, wir verdienen hier nicht genug Geld.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja Horst-Peter, find&#8217; ich auch. Wir sollten das ändern.&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber wie?&#8221;</p>
<p>&#8220;Hmm, lass uns doch einfach für etwas Geld verlangen, das vorher umsonst war.&#8221;</p>
<p>Wenn man entweder nur das kleinste bisschen über die Geschichte weiß oder im Wirtschaftsstudium ein einziges Mal aufgepasst hat, dann sollte einem eigentlich folgender Fakt in das Stammhirn gemeißelt sein: <strong>Wenn sich Menschen daran gewöhnt haben, etwas umsonst zu bekommen, dann wollen sie dafür nie wieder bezahlen. Nie. wieder.</strong></p>
<p>Die USA sind beinahe an einem grausamen Bürgerkrieg zugrunde gegangen, weil der südliche Teil des Landes nicht einsehen wollte, dass sich der wichtigste Satz seiner Geschichte auch auf Menschen mit schwarzer Hautfarbe bezieht. &#8220;We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal.&#8221; Ja schön und gut, aber Sklaverei bitte doch weiterhin, weil die Sklaven sind umsonst und sonst is&#8217; Essig mit Baumwoll-Reichtum. Also munter in einen Krieg gezogen, der hunderttausende Menschenleben kostete und das Land fast in den Ruin getrieben hätte.</p>
<p>Es ist wahrlich ein weiter Brückenschlag vom Amerikanischen Sezessionskrieg zu der Webseite mitfahrgelegenheit.de und ich hoffe inständig, dass dieses Mal keiner stirbt und auch nicht in den Ruin getrieben wird. Aber wenn man eine erfolgreiche Webseite auf dem Modell aufbaut, dass Menschen einfach nicht so viel für ihr Bahn-Ticket und Benzin zahlen wollen; wenn also das Geldsparen an allererster Stelle steht und man sich als Gegenentwurf zu den Abzockern von der DB und den Ölkonzernen präsentiert; ja dann kann man doch um Himmels Willen nicht hergehen und einfach mal so im Vorbeigehen kommentarlos einführen, dass man ab jetzt <strong>über zehn Prozent vom Mitfahrbetrag</strong> einstreicht. Jetzt mal ehrlich liebe Mitfahrgelegenheit: <strong>Was denkt man sich denn bei sowas?!</strong><strong> </strong></p>
<p>Und habt ihr ganz abgesehen davon mal daran gedacht, dass ihr durch diesen Kackprozess ab jetzt auch steuerrelevante Geschäftsdaten erhebt und speichert? Dass also auf gut Deutsch das Finanzamt zu euch kommen kann, meine Daten verlangen kann und mich im Nachhinein dazu zwingen kann, Steuern dafür zu zahlen, dass ich ein paar Leute bei meinem Bayern-Ticket mitgenommen habe?! Habt ihr daran echt gedacht? Weil wenn ja, dann seid ihr eiskalte Penner und ich hoffe ihr geht schnell Pleite und verdient euer Geld bald mit Hundekacke-Sammeln. Und wenn nein, dann tja mei, jeder kann mal blöd sein, passiert mir auch ständig, macht ihrs halt einfach rückgängig. Klingt vernünftig, oder?</p>
<p><strong>Und falls jetzt wer entnervt fragt, ob ich denn statt dem ganzen Rumgeheule nicht einfach eine gescheite Alternative anbieten kann, dann Ällerbätsch, kann ich woooohooool. Da bitte: <a title="Fahrgemeinschaft als Alternative zu Mitfahrgelegenheit.de" href="http://www.fahrgemeinschaft.de/" target="_blank">Fahrgemeinschaft.de</a></strong></p>
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		<title>Kunkel #45: Relativistische Längenkontraktion</title>
		<link>http://youshallnot.com/nh/kunkel-45-relativistische-langenkontraktion/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 13:20:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunkel]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ich will schreien, lachen, weinen, möglicherweise sogar niesen. Nicht in dieser Reihenfolge, nein, ich will das alles gleichzeitig machen. Ich will das Konzept Glück neu definieren. Ich will der erste Mensch auf Erden sein, der tatsächlich, im Wortsinn, vor lauter &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich will schreien, lachen, weinen, möglicherweise sogar niesen. Nicht in dieser Reihenfolge, nein, ich will das alles gleichzeitig machen. Ich will das Konzept Glück neu definieren. Ich will der erste Mensch auf Erden sein, der tatsächlich, im Wortsinn, vor lauter Freude kotzen muss. Ein Revolutionär. Ich glaube, ich habe das Zeug dazu.</p>
<p>Es ist noch keine zwanzig Sekunden her, dass ich breit grinsend, mit geschlossenen Augen den Hörer auf die Gabel geknallt und, so lange ich konnte, eingeatmet habe, um den Moment so tief in mich hineinzusaugen, wie nur irgend möglich.<br />
„Sorry, das kann ich mir übers Telefon irgendwie nicht so richtig vorstellen“, hat sie gesagt und „da musst du wohl einfach herkommen und es mir zeigen.“<br />
„Geht klar, bis gleich“, habe ich geantwortet, weil ich genau wusste, wie sie das meint und dann habe ich grinsend den Hörer auf die Gabel… naja, das hatten wir ja bereits.</p>
<p>Bis gestern hätte ich den Bus genommen, um zu ihr zu fahren, weil es bis gestern geregnet hat. Nichts als Regen, wochen-, vielleicht sogar monatelang. Ich habe den Überblick verloren, wie lange er wirklich angehalten hat, ein Bisschen auch den Lebenswillen, aber das ist jetzt Geschichte. Gestern Abend war plötzlich Schluss damit und als ich heute Früh aufwachte, da schien die Sonne in mein Fenster und es war angenehm warm. Die Grünstreifen an der Straße glänzten in sattem Dunkelgrün, das die wiedereinsetzende Photosynthese in ihre schweren, fetten Grashalme getrieben hatte und mir war irgendwie klar, dass heute noch etwas Großartiges geschehen musste.</p>
<p>Kein Grund also, den Bus zu nehmen, nicht bei dem Wetter. Sie wohnt keine zwei Kilometer von hier entfernt, wäre also gelacht, wenn ich die lächerliche Strecke nicht einfach laufen könnte. Schuhe brauche ich noch, man kann ja nicht einfach ohne Schuhe loslaufen, das wäre schon ziemlich dämlich. Zig Paare, aber keines scheint der Situation wirklich angemessen. Meine Wahl fällt auf dunkelbraune Budapester mit Ledersohlen. Ich will schließlich nach was aussehen, wenn ich bei ihr vor der Tür stehe. Ich binde sie schnell und schludrig zu, stürze aus der Wohnung, durchs Treppenhaus auf die Straße und laufe los. Ob die Tür hinter mir ins Schloss gefallen ist, weiß ich nicht. Habe nicht aufgepasst. Laufen ist jetzt wichtiger. Zu ihr zu kommen ist wichtiger. Zu ihr zu kommen ist überhaupt das einzig Wichtige, so schnell wie möglich.</p>
<p>Die erste Hürde wartet bereits vor dem Nachbarhaus. Ein deutscher Schäferhund von angsteinflößender Statur sieht mich und stürzt bellend auf mich zu. Ob freudig oder wütend, kann ich nicht beurteilen. Seine Besitzerin ist sich nicht zu schade, mir die ausgelutschte Phrase „der will nur spielen“ entgegenzurufen. Ich denke währenddessen bereits weiter und plane, die potentielle Gefahr zu umgehen, indem ich einfach galant über sie drüberspringe und unbeeindruckt weiterlaufe, während Fifi dumm schaut und sich eingestehen muss, dass ich ihm einfach überlegen bin. Das überzüchtete Drecksvieh ist aber schneller als ich dachte und erwischt mich am linken Hosenbein, reißt meinen Fuß nach hinten weg und streckt mich bäuchlings auf die sonnengewärmten Gehsteigplatten nieder. Ich springe sofort wieder auf, von so einem lasse ich mich schließlich nicht unterkriegen, nicht heute. Die Besitzerin gafft mich ungläubig an, während ich im Weglaufen noch ihren Hund als unsensibles Arschloch beschimpfe. Ich glaube, mein Gesicht könnte bluten, aber es fühlt sich nur rau an, nicht feucht, eine Schramme also &#8211; harmlos.</p>
<p>Der Gedanke an mein Ziel peitscht mich weiter die Straße hinunter. Ich laufe durch eine lichtdurchflutete, vor Glückshormonen strotzende Welt, voller freundlicher Gemüsehändler und zufriedener Obdachloser, die sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Für eine nette Omi mit Rollwägelchen mache ich kurz Halt und drücke ihr einen saftigen Schmatzer auf die haarige Wange. Sie schreit mir irgendwas Unverständliches hinterher. Es klingt nicht freundlich. Ist mir egal, ich will singen. Ich versuche es, aber für Singen und Laufen gleichzeitig genügt mein Atem nicht, also verzichte ich doch darauf.</p>
<p>Ein Stück weiter, liegt an einer Ecke noch Rollsplitt, der hier natürlich um diese Jahreszeit so gar nichts mehr zu suchen hat. Während meine Ledersohlen darübergleiten, verfluche ich die faulen Schweine von der Stadtreinigung und meine Eitelkeit, was Schuhe betrifft. Als ich über die Gehsteigkante rutsche, verliere ich das Gleichgewicht, falle rücklings auf die Straße und schlage – diesmal mit dem Hinterkopf – auf dem Asphalt auf. Mir wird kurz schwarz vor Augen und als ich, ein paar Sekunden später, wieder zu mir komme und mich aufsetze, schießt plötzlich eine hupende und quietschende Stoßstange auf mein Gesicht zu und bleibt, allerhöchstens fünf Zentimeter vor meiner Nasenspitze, in der Luft hängen. Die einzige Reaktion, zu der ich so schnell fähig bin, ist ein ruckartiges Hochziehen meiner linken Augenbraue – so ruckartig, dass mein Gesicht verkrampft und der völlig unnatürliche Ausdruck erhalten bleibt, während ich den Fahrer anstarre, der sich aus dem Fenster lehnt und mich anschreit. Ich verstehe kein Wort von dem, was er sagt, will die Straße freimachen und endlich weiterlaufen. Es ist ja offensichtlich nichts Ernstes passiert und Zeit habe ich auch keine zu verschwenden, sie wartet schließlich auf mich. Als ich aufstehen will, bemerke ich, dass drei Finger meiner rechten Hand unter dem linken Vorderreifen des Autos eingeklemmt sind. Ich deute dem Mann, er solle ein Stück zurücksetzen. Schmerz spüre ich noch keinen, aber offensichtlich fehlen mir zwei Fingernägel und ein paar Quadratzentimeter Haut. Naja, sie wird schon eine Mullbinde oder so was daheim haben. Der Fahrer glotzt mich ungläubig an, als ich aufstehe und wieder loslaufe. Nach zwei Schritten wird mir plötzlich etwas blümerant. Vielleicht hätte ich ja doch noch einen Moment lang durchatmen sollen. Mir wird wieder schwarz vor Augen und ich taumele weiter, bis meine Knie nachgeben, ich vornüber kippe und mit dem Oberkiefer auf den Randstein schlage. Zumindest ist es der gegenüberliegende Randstein, ich laufe also noch in die richtige Richtung. Ich spüre zwei kleine, scharfkantige Brocken in meinem Mund und spucke sie in meine Hand. Es sind die unteren Hälften meiner oberen Schneidezähne. Im Spiegel sahen die immer größer aus. Ich stecke sie in die Hosentasche und denke kurz an meine Zahnärztin, die das schon wieder hinbiegen wird. Morgen oder so, nicht jetzt, jetzt muss ich weiter, zu ihr. Ich raffe mich langsam wieder auf, ignoriere das Schwindelgefühl und das Blut, das aus meinem Mundwinkel läuft. Ich habe schließlich ein Ziel.</p>
<p>Bis zur nächsten Straßenecke muss ich mich noch mehr oder weniger schleppen, dann kehrt die Kraft in mich zurück und ich laufe wieder. Ich bin jetzt keine fünfhundert Meter mehr von ihrer Haustür entfernt. Einen Moment später kann ich sie schon sehen, die Klinke förmlich in meiner Hand spüren. Mein Blick ist nur noch auf sie gerichtet.</p>
<p>Noch zweihundert Meter.</p>
<p>Hundertfünfzig.</p>
<p>Hundert.</p>
<p>Ich bin schon fast da, als meine Füße den Halt verlieren. Im Fall sehe ich noch den Rand des offenen Kanaldeckels unaufhaltsam auf mein Gesicht zurasen, bevor mein Kopf, laut krachend, auf den gusseisernen Ring im Boden aufschlägt. In meinem Mund spüre ich mindestens drei weitere abgebrochene Zähne. Ich überlege noch, ob man daran möglicherweise ersticken könnte, aber das Blut spült sie sofort raus. Mein Körper rutscht nach unten. Ich halte mich kurz an der Leiter im Schacht fest, verliere aber die Kraft, schlage auf dem Weg nach unten mit dem Hinterkopf gegen die Betonwand, dann wieder mit der Stirn gegen die Leiter, Hinterkopf, Stirn, Hinterkopf. Mein rechter Arm fädelt sich zwischen die Sprossen ein, verklemmt sich und bremst meinen Fall, kurz bevor ich auf dem Boden aufschlage. Erst als er bricht, löst er sich wieder und ich falle die letzten paar Zentimeter in den Kanal. Meine Beine knicken sofort ein. Ich lande, fast ungebremst, auf den Kniescheiben, kippe nach vorne um und liege jetzt, mit dem Gesicht nach unten, in einem Rinnsal aus Pisse, Kondomen, Rattenkadavern und Rasierklingen, die man nun wirklich nicht im Klo runterspülen sollte. Die Schuhe kann ich vergessen. Mit meiner linken Hand – die Rechte spüre ich nicht mehr – ziehe ich noch etwas aus meiner Stirn, das sich als Kanüle entpuppt.</p>
<p>Ihre Tür ist vielleicht noch fünfzig Meter entfernt. Ich muss mich nur irgendwie auf den Rücken drehen und die Leiter hochkommen, dann bin ich schon so gut wie bei ihr. Wenn ich mich nur umdrehen könnte. Aber ich krieg das hin, ich muss mich nur kurz sammeln und wieder zu Kräften kommen. Solange das Wasser nicht steigt, kann mir nichts passieren, es darf halt niemand in der Straße duschen.</p>
<p>Hinter mir höre ich ein leises Plätschern einsetzen. Es wird lauter.</p>
<p>Ich muss mich nur umdrehen.</p>
<p>Ich schaff das!</p>
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		<title>Kunkel #44: Suspension</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 13:20:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunkel]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ich geh jetzt raus und lauf los. Ich weiß nicht, welche Schuhe ich anziehen soll. Zig Paare, aber keines gibt mir das Gefühl, das Richtige zu sein – dann halt ohne. Sie würden sowieso nur nass und unbequem. Menschen bestehen &#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich geh jetzt raus und lauf los. Ich weiß nicht, welche Schuhe ich anziehen soll. Zig Paare, aber keines gibt mir das Gefühl, das Richtige zu sein – dann halt ohne. Sie würden sowieso nur nass und unbequem. Menschen bestehen zu sechzig Prozent aus Wasser, vielleicht auch mehr, ist auch egal, Schuhe nicht. Die bestehen aus Leder, Gummi, Plastik, allerlei wasserfremdem Zeug eben, was soll ich also da draußen mit den Dingern?</p>
<p>Anfangs wird der Regen mich noch stören. Tropfen auf meiner Brille und meine nassen Haare werden mir die Sicht nehmen, aber es wird nicht lange dauern, dann werde ich die Haare ignorieren und die Brille einfach wegwerfen, weil ich gar nicht unbedingt sehen muss, wohin es mich verschlägt. Die Wolken werden in meine Richtung ziehen, egal, wohin der Wind weht, während ich schweigend nach Osten weiterlaufe. Je länger ich unterwegs bin, desto weniger Beachtung werde ich ihnen schenken.</p>
<p>Wenn ich die Stadtgrenze erreiche, nach einer Stunde ungefähr, werden die wenigen Sonnenstrahlen, die bisher durch die Wolken dringen konnten, der Nacht gewichen sein. Hinter mir werden die Straßenlaternen langsam verschwimmen, während die Dunkelheit mich einhüllt. Die Luft wird nach Erde riechen und der aufgeschwemmte Boden unter meinen Füßen nachgeben, während ich unaufhaltsam der aufgehenden Sonne entgegenlaufe. Vielleicht werde ich kurz an meine Schuhe denken, weil meine Füße zu schmerzen beginnen. Stehenbleiben werde ich deshalb nicht.</p>
<p>Morgen früh werde ich irgendein Mittelgebirge erreicht haben. Meine Muskeln werden brennen, während ich mich über Kies und Moos nach oben kämpfe. Es wird nur der erste von vielen Aufstiegen sein, die noch vor mir liegen. Wölfe werden meinen Weg säumen und vom Regen überrascht sein, den ich mit mir bringe, aber er wird nicht länger anhalten, als ich in der Nähe bin und bald werden sie sich fragen, ob sie ihn sich nicht nur eingebildet haben. An meine Brille werde ich bereits keinen Gedanken mehr verschwenden, die fehlenden Schuhe nicht mehr bemerken. An meinen Fingern und Zehen wird langsam die Haut schrumpelig werden, weil das Wasser beginnt, sie aufzuweichen.</p>
<p>Ich werde den Ural überqueren und Europa hinter mir lassen. Daheim wird schon längst wieder die Sonne scheinen und der Frühling ausgebrochen sein. Man wird sich kaum noch an den Regen erinnern, aber mich wird er auch weiterhin begleiten. Ich werde die Schneefallgrenze überschreiten und meine nassen Haare werden einfrieren und abbrechen. Zurück im Tal wird meine aufgeweichte Haut die Konsistenz von Gelee angenommen haben. Meine Finger- und Zehennägel werden sich, einer nach dem anderen, aus ihr lösen und abfallen. Meine Füße werden taub und voller Verletzungen sein, weil ich barfuß über Geröll gelaufen bin, aber der Regen wird das Blut wegspülen und ich werde es nicht beachten. Meine Augen werden langsam, von innen heraus eintrocknen, weil ich nur laufe und nichts trinke. Einzig der unaufhaltsame Niederschlag, der mir auf Schritt und Tritt folgt, wird sie noch feucht halten.</p>
<p>Auf dem Weg durch Russland, wird mein Körper sich mit Wasser vollsaugen, Arme und Beine schwer werden, meine Bewegungen sich verändern. Ich werde die Zivilisation meiden, um nicht von irgendwem aufgehalten zu werden. Meteorologen werden ratlos meine Wolkenwand verfolgen, die sich, langsam aber unaufhörlich, ihren Weg durch Nordasien bahnt und auf die chinesische Grenze zusteuert. Keiner wird eine Erklärung dafür finden.</p>
<p>Wenn ich China erreiche, wird man mich nicht mehr als Menschen erkennen können. Meine Kleidung wird längst verschlissen und abgefallen sein, die aufgeschwemmte Haut gelegentlich in kleinen Stücken von mir herabtropfen und die tauben Muskeln freilegen, unter denen allmählich sogar meine Knochen weich werden. Ich werde das Land durchqueren, wissend, dass ich nicht hinfallen darf, weil mein Körper dann einfach im Boden versickern würde. Die Umgebung wird mir fremd sein, einzig der Regen meine Erinnerung an Zuhause und an den Grund meiner Reise am Leben erhalten und ich werde weiterlaufen, obwohl ich längst keine Kraft mehr dazu habe. Ich hatte sie nie.</p>
<p>Es werden Monate verstrichen sein, wenn ich mein Ziel erreiche. Der Pazifik wird  sich vor mir auftun und mit jedem Schritt, den ich ihm näherkomme, werde ich mich leichter und glücklicher fühlen. Es wird warm sein und die Luft dunstig. Ich werde die Küste erreichen und, ohne darüber nachzudenken, mit dem, was von meinem Körper noch übrig ist, in ihn hineingleiten. Einen Augenblick später, werde ich mich bereits in eine Wolke verwandelt haben, die noch kurz im Wasser schwebt, aber schon bald nicht mehr zu sehen ist. Der Himmel wird aufklaren und der Regen vorbei sein.</p>
<p>Meine Schuhe werden mich vermissen.</p>
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